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Brüche und ihre Behandlung
Was ist ein Knochenbruch? Das menschliche Skelett besteht
aus mehr als 200 Knochen. Sie können brechen, wenn sie zu stark belastet werden. An manchen Stellen, z.B. am Oberarm, gibt es sogar "Sollbruch-Stellen". Der Knochen besteht aus einem mineralischen, elastischen und
bindegewebigem Anteil. Außerdem durchziehen den Knochen Blutgefässe und Nerven. Je nach Alter des Menschen variiert die Zusammensetzung des Knochens:
- Bei Kindern überwiegen elastische Anteile. Die Knochen "verbiegen" sich deshalb eher
(Grünholzbruch), als dass sie splittern.
- Bei Erwachsenen ist das Verhältnis zwischen mineralischen, elastischen und bindegewebigen Anteilen ausgewogen.
- Bei älteren Menschen nehmen die elastischen und bindegewebigen Anteile ab, der Knochen wird spröde und splittert leicht.
Auch krankhafte Veränderungen können das Risiko eines Knochenbruchs
erhöhen. Bei einer Knochenentkalkung (Osteoporose) hat der Knochen einen geringeren mineralischen Anteil. Der Knochen wird dadurch geschwächt. Schon kleinere Verletzungen können zu Knochenbrüchen führen.
Brüche werden nach folgenden Kriterien unterschieden:
- Begleitende Weichteilverletzung (offen oder geschlossen)
- Lokalisation (Schaft oder gelenknaher Anteil)
- Zahl der Bruchstücke
- Ausmaß der Fehlstellung
Wie wird ein Knochenbruch diagnostiziert? Die klassische
Methode ist eine Röntgenuntersuchung. Die Röntgenaufnahmen bilden nur die Knochen, aber nicht die Sehnen, Muskeln oder Bänder, ab. Bei fast jedem Bruch lassen sich Stellung und Anzahl der Bruchstücke erkennen. Röntgenbilder
zeigen außerdem, ob ein Gelenk betroffen und der Bruch verschoben ist. Unverschobene Brüche (ähnlich einem "Sprung im Teller”) sind manchmal über das Röntgenbild nicht diagnostizierbar. Die Strahlenbelastung ist
angesichts der modernen Techniken zu vernachlässigen. Dennoch wird jede Röntgenaufnahme auf Wunsch in einen Röntgenpass eingetragen.
Wie wird ein Knochenbruch behandelt? Es gibt drei Prinzipien, wie man Knochenbrüche behandelt:
- Einrichtung (Reposition)
- Ruhigstellung (Immobilisation)
- Druck auf die Bruchstelle (Kompression)
Dass man Druck auf die Bruchstelle ausüben muss, ist eine neuere Erkenntnis aus den 70er-Jahren. Viele
Fehlergebnisse früherer Bruchbehandlungen ließen sich damit erklären. In der Folge gründete sich eine deutsch-schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen (AO), die Behandlungsrichtlinien sowie ein einheitliches,
universell verwendbares Instrumentarium herausgibt.
Muss jeder Bruch operiert werden? Viele Brüche müssen nicht
operiert werden. Insbesondere unverschobene Brüche oder solche, die nach dem Einrichten stabil sind, also keine Tendenz zur erneuten Verschiebung (Dislokation) zeigen, werden ohne Operation (konservativ) behandelt. Der Bruch
wird dann in einem Gipsverband ruhig gestellt. Den klassischen Gipsverband haben in den letzten Jahren zunehmend Kunststoffverbände verdrängt. Sie sind leichter, haben aber sonst keine prinzipiellen Vorteile. Verbände aus
Kunststoff sind teurer und erfordern eine ausgefeiltere Technik und größere Erfahrung beim Anlegen. Für viele Bruchtypen gibt es heute vorgefertigte Schienen. Frische Brüche werden nie in einem geschlossenen (zirkulären)
Gipsverband ruhig gestellt, da sich eine Schwellung nicht ausdehnen kann. Die Folge wären erhebliche Durchblutungsstörungen.
Wann werden Brüche operiert? Manche Brüche müssen aus folgenden Gründen operiert werden.
- Wenn sie sich mit oder ohne Einrichtung leicht wieder verschieben: Hier kann eine definitive Versorgung erfolgen.
- Wenn sie nur langsam heilen: Eine längere Gipsbehandlung lässt sich vermeiden, und man kann frühzeitig mit einer krankengymnastischen Übungsbehandlung beginnen.
- Offene Brüche: Hier muss der Weichteilmantel wiederhergestellt werden.
Angewendet werden Platten und Schrauben in verschiedenen, dem jeweiligen Knochen angepassten Stärken. Bestimmte
Knochenbrüche werden mit einzelnen Schrauben, Marknägeln, Bohrdrähten und Spezial-Implantaten behandelt. Je nach dem Grad der Belastbarkeit unterscheidet man die operative Knochenbruch-Behandlung:
- Lagerungsstabil: keinerlei Bewegung ohne Unterstützung
- Übungsstabil: nur geführte Bewegungen und eventuell Teilbelastung
- Belastungsstabil: alle Bewegungen unter Vollbelastung
Treten Komplikationen auf? Die meisten Brüche heilen gut und ohne Komplikationen. In seltenen Fällen "rutscht" ein Bruch im Gips ab. Möglicherweise muss er erneut eingerichtet bzw. operiert werden.
Gelegentlich heilt der Knochen nicht, und es bildet sich ein Falsch-Gelenk (Pseudarthrose). Verursacht die Pseudarthrose Beschwerden, muss sie operiert werden. Gefürchtet, aber sehr selten ist eine Infektion des
Knochens. Sie tritt besonders nach offenen Brüchen auf. Dann ist eine aufwändige Behandlung mit wiederholten Spülungen notwendig.
Patienten, die einen Gips tragen, bekommen manchmal Durchblutungsstörungen durch
Druckstellen. Neben Hautschäden kommen sehr selten auch Nervenschäden vor. Das Thromboserisiko ist am Bein besonders hoch, wenn es im Gipsverband ruhig gestellt ist. Eine entsprechende Thrombosevorsorge ist deshalb heute
Standard.
Schlüsselbeinbruch (Claviculafraktur)
Was ist ein Schlüsselbeinbruch? Das Schlüsselbein
(Clavicula) ist die einzige knöcherne Verbindung zwischen Arm- und Rumpfskelett. Es verläuft zwischen dem Brustbein (Sternum) und einem Fortsatz des Schulterblatts (Akromion). Bei einem Sturz auf den Arm oder direkter
Gewalteinwirkung kann das Schlüsselbein brechen. Besonders bei Kindern und Jugendlichen tritt dieser Bruch häufig auf, er stellt aber den harmlosesten Knochenbruch beim Menschen dar.
Wie sehen die Anzeichen für einen Schlüsselbeinbruch aus? Anzeichen
sind Schmerzen, eine Schwellung im Verlauf des Schlüsselbeins und die Unfähigkeit, den Arm zu benutzen. Im Vergleich zur anderen Körperseite ist die Kontur des Schlüsselbeins verändert.
Wie wird ein Schlüsselbeinbruch festgestellt? Die Röntgenuntersuchung zeigt, ob ein Schlüsselbeinbruch vorliegt. Begleitverletzungen gibt es praktisch nicht, so dass keine weiteren Untersuchungen notwendig sind.
Wie wird ein Schlüsselbeinbruch behandelt? Im Regelfall genügt
es, für vier Wochen (bei Kindern für drei Wochen) einen speziellen Verband anzulegen (Rucksackverband). Eine Operation ist nur bei sehr weit außen (lateral) liegenden Brüchen notwendig oder wenn die Gefahr besteht, dass die
scharfkantigen Bruchstücke die Haut durchspießen. Der Bruch wird mit speziellen Platten und Schrauben oder Drähten geschient.
Wie erfolgt die Weiterbehandlung? In der Regel ist eine spezielle Nachbehandlung nicht erforderlich, die Prognose ist ausgezeichnet.
Rippenbruch
Was ist ein Rippenbruch?
Die Rippen (Costae) bilden zusammen mit dem Brustbein (Sternum) das Skelett des Brustkorbs (Thorax). Die Verbindung zwischen dem Brustbein und den Rippen besteht aus Knorpel, der Übergang zwischen den Rippen zur Wirbelsäule ist knöchern.
Die Rippen brechen typischerweise beim Sturz auf eine Kante, z.B. beim Ausrutschen im Badezimmer und Sturz auf das Waschbecken oder die Badewanne. Zudem kann Gewalteinwirkung jeglicher Art zu Rippenbrüchen führen. Sind
nur einzelne Rippen gebrochen, ist im Gegensatz zu einer Rippen-Serien-Fraktur (mehrere Rippen sind gebrochen) die Atem-Mechanik nicht gestört. Ganz selten verletzen gebrochene Rippen das Rippenfell und führen zu einem
Pneumothorax (Luftbrust).
Welche Anzeichen gibt es für einen Rippenbruch? Schmerzen im
Brustbereich sowie ein knirschendes Geräusch oder Krachen beim Atmen weisen auf einen Rippenbruch hin. Bei Atemnot oder Kreislaufproblemen muss man sofort handeln, da Komplikationen auftreten können.
Wie wird ein Rippenbruch diagnostiziert?
Der Arzt kann Rippenbrüche anhand der oben genannten Anzeichen feststellen. Durch gezieltes Drücken auf den
Brustkorb lässt sich der Ort der Verletzung genauer eingrenzen. Ein Abhören der Lunge deckt Komplikationen wie z.B. einen Pneumothorax auf. Zur Sicherheit werden bei jeder Rippenfraktur Röntgenbilder des gesamten Brustkorbs
angefertigt. Zusätzliche Zielaufnahmen stellen den Bruch eindeutig dar.
Wie wird ein Rippenbruch behandelt? Unkomplizierte Brüche einer oder weniger Rippen müssen, außer einer Schmerztherapie, nicht besonders behandelt werden. Sie heilen ohne Komplikationen innerhalb weniger Wochen aus.
Ein Pneumothorax oder eine Rippen-Serien-Fraktur, die zu Atemproblemen führt, brauchen eine besondere Behandlung. In manchen Fällen ist eine Drainage des Brustkorbs (Einlage eines Schlauches) oder eine künstliche Beatmung
notwendig.
Treten Komplikationen auf? Der Bruch einer oder weniger
Rippen ist harmlos und heilt komplikationslos ab. Selten kommt es zu den beschriebenen Komplikationen. Werden sie nicht behandelt, können sie jedoch lebensbedrohlich sein. Bei rechtzeitiger Therapie sind die Komplikationen gut
zu beherrschen und heilen folgenlos aus.
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